Rosace_cathedrale_strasbourg

Buntglasscheibe aus dem Münster zu Strasburg (Quelle: Von Clostridium - Eigenes Werk, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4601040)

„Die theoretische Physik riskiert, zu einem Niemandsland zwischen Mathematik, Physik und Philosophie zu verkommen“. So oder ähnlich alarmierend beschreiben George Ellis, Kosmologe an der Uni Kapstadt sowie der ehemals in Oxford tätige Astronom Joe Silk den derzeitigen Zustand der Königin der Naturwissenschaft, der Physik. Da horcht man doch auf! Insbesondere, wenn an anderer Stelle, zu (mehr oder weniger) gleicher Zeit von Koryphäen wie Edward Witten, einem bedeutenden Physiker, der am Institute for Advanced Study in Princeton wirkt, zu Gehör gebracht wird, dass man in der Elementarteilchenphysik der Vereinheitlichten Theorie bereits auf der Spur sei und diese, wenn man sie denn gefunden hätte, „das natürliche Ende der Physik einläute“.

Nun hat man ja nach Witten sogar schon einen Asteroiden des inneren Hauptgürtels benannt. Grund genug also, noch hellhöriger zu werden. Schaut man sich weiter im „Wilden Westen der elementarteilchenphysikalischen Grundlagenforschung“ um, stößt man sehr bald auf eine weitere, schillernde Persönlichkeit des Dramas, den Physik-Nobelpreisträger von 1998, Robert B. Laughlin. Robert B. betitelte sein 2005 erschienenes Werk mit dem Spruch „Abschied von der Weltformel“ und übt eine Art Generalkritik am Reduktionismus, also einer Denkweise, gemäß derer Klarheit und Erkenntnis in dem Maße wachsen, in dem man etwas in immer kleinere Bestandteile zerlegt. Robert B. sattelt sozusagen einen neuen Gaul, tauft ihn Emergenz und konstatiert, dass „Natur nicht allein durch eine Grundlage von Gesetzen auf mikroskopischer Ebene sondern durch starke und allgemeine Ordnungsprinzipien gesteuert würde“, von denen wir bestenfalls bislang eine Handvoll entdeckt hätten. Nachvollziehbar, dass man als Physik-Liebhaber langsam nervös wird. Ist die Physik nun „eine logische Schöpfung des Geistes oder eine auf Beobachtung aufbauende Synthese“? Träfe ersteres zu, wäre es dann nicht an der Zeit, Karl Poppers ehernen Grundsatz, demgemäß eine jede wissenschaftliche Theorie falsifizierbar sein muss, auf der Müllhalde der Erkenntnistheorie zu entsorgen? Das sind so Fragen…. Nein, nein, ich will jetzt nicht behaupten, diese Fragen in meinen, in der kommenden Zeit in loser Folge hier anzutreffenden Blogbeiträgen zu klären. Man hat ja auch noch keinen Asteroiden nach mir benannt. Ich stelle es mir aber ganz spannend vor, ein wenig zu beleuchten, was denn nun überhaupt die Physik, insbesondere die moderne Physik ausmacht. Wenn es dann am Ende gelungen sein sollte, all die Artikel, Interviews und Bücher und die darin fabrizierten Aussagen und Standpunkte ein wenig besser einordnen zu können, dann war das ganze, wie ich finde , bereits der Mühe wert. Schaun wir mal…

Sicherlich würde mir Robert B. zustimmen, wenn ich behaupte, dass Symmetrie eines der ganz wesentlichen Ordnungsprinzipien der Physik ist. Henning Genz schreibt in seinem Buch „Symmetrie – Bauplan der Natur“, „Symmetrien zeigten uns den Weg zum Verständnis dessen, was es geben kann“. Aber was meinen die Physiker, wenn sie von Symmetrie sprechen? Dieser Frage gehen der folgende sowie einige weitere Blogbeiträge nach.